roken-Heart-Syndrom: Wenn emotionaler Stress das Herz ernsthaft gefährdet
Ein „gebrochenes Herz“ klingt für viele nach einer Redewendung. Tatsächlich steckt dahinter jedoch eine medizinisch anerkannte Herzerkrankung: das Broken-Heart-Syndrom, auch Stress-Kardiomyopathie oder Takotsubo-Syndrom genannt. Starke emotionale oder körperliche Belastungen können dabei den Herzmuskel vorübergehend so stark schwächen, dass die Beschwerden kaum von einem Herzinfarkt zu unterscheiden sind.
Ob der Verlust eines geliebten Menschen, eine Trennung, ein schwerer Streit, ein Unfall oder sogar ein besonders freudiges Ereignis – jede intensive Stressreaktion kann den Auslöser darstellen. Deshalb ist es wichtig, die Warnzeichen zu kennen und im Ernstfall sofort medizinische Hilfe zu suchen.
Was ist das Broken-Heart-Syndrom?
Beim Broken-Heart-Syndrom kommt es zu einer plötzlichen Funktionsstörung der linken Herzkammer. Anders als beim klassischen Herzinfarkt sind die Herzkranzgefäße meist nicht verschlossen. Stattdessen reagiert der Herzmuskel auf eine massive Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin.
Die Folge: Das Herz kann vorübergehend nicht mehr ausreichend pumpen. Im Ultraschall zeigt sich häufig eine ballonartige Form der linken Herzkammer – daher stammt auch der medizinische Begriff „Takotsubo“, benannt nach einer japanischen Tintenfischfalle.

Typische Auslöser
Die Erkrankung entsteht häufig nach außergewöhnlichen Belastungssituationen. Dazu gehören unter anderem:
- Tod eines Angehörigen
- Trennung oder Scheidung
- Schwere Streitigkeiten
- Kündigung oder finanzielle Sorgen
- Schwere Erkrankungen oder Operationen
- Verkehrsunfälle oder andere Schockereignisse
- Extreme Freude oder überraschend positive Ereignisse (Happy-Heart-Syndrom)
Nicht die Art des Ereignisses entscheidet, sondern wie intensiv der Körper darauf reagiert.
Symptome ähneln einem Herzinfarkt
Das Gefährliche: Die Beschwerden unterscheiden sich kaum von einem Herzinfarkt.
Typische Symptome sind:
- Plötzlich auftretende Brustschmerzen
- Druck- oder Engegefühl hinter dem Brustbein
- Atemnot
- Schmerzen im linken Arm, Rücken oder Kiefer
- Kalter Schweiß
- Herzrasen oder Herzstolpern
- Schwindel
- Übelkeit oder Erbrechen
- Starke Angst bis hin zur Todesangst
Da weder Betroffene noch Ärzte außerhalb des Krankenhauses sofort zwischen Herzinfarkt und Broken-Heart-Syndrom unterscheiden können, gilt: Bei diesen Symptomen sofort die Notrufnummer 112 wählen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Grundsätzlich kann jeder betroffen sein. Besonders häufig tritt das Broken-Heart-Syndrom jedoch bei Frauen nach den Wechseljahren auf. Schätzungen zufolge betreffen rund 90 Prozent der bekannten Fälle Frauen zwischen 55 und 75 Jahren.
Bei Männern kommt die Erkrankung seltener vor, verläuft jedoch häufiger schwer. Körperliche Belastungen wie schwere Infektionen, Schlaganfälle oder Unfälle spielen dabei oft eine größere Rolle als emotionale Auslöser.
Weitere Risikofaktoren können sein:
- Chronischer Stress
- Angststörungen
- Depressionen
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Neurologische Erkrankungen
Wie wird die Diagnose gestellt?
Da die Symptome nahezu identisch mit einem Herzinfarkt sind, erfolgt zunächst dieselbe Notfall-Diagnostik.
Dazu gehören:
- EKG
- Blutuntersuchungen
- Herzultraschall
- Herzkatheter-Untersuchung
Erst wenn keine verstopften Herzkranzgefäße gefunden werden und die typische Veränderung der linken Herzkammer sichtbar ist, kann die Diagnose Broken-Heart-Syndrom gestellt werden.
Ist das Broken-Heart-Syndrom gefährlich?
Ja. Obwohl sich der Herzmuskel bei vielen Patienten innerhalb weniger Wochen oder Monate vollständig erholt, kann die akute Phase lebensbedrohlich sein.
Mögliche Komplikationen sind:
- Herzrhythmusstörungen
- Herzschwäche
- Lungenödem
- Kardiogener Schock
- Niedriger Blutdruck
- In seltenen Fällen plötzlicher Herztod
Deshalb müssen Betroffene meist stationär überwacht werden.
Behandlung und Erholung
Eine speziell zugelassene Standardtherapie gibt es bisher nicht. Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Zustand des Patienten.
Je nach Situation kommen unter anderem zum Einsatz:
- Betablocker
- ACE-Hemmer
- Blutdruckkontrolle
- Herzüberwachung
- Behandlung möglicher Komplikationen
Ebenso wichtig ist die langfristige Reduzierung von Stress. Psychologische Unterstützung, Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können helfen, das Risiko eines erneuten Ereignisses zu senken.
Die 4-7-8-Atemtechnik als Soforthilfe
In akuten Stresssituationen kann die sogenannte 4-7-8-Atemtechnik beruhigend wirken:
- 4 Sekunden durch die Nase einatmen.
- 7 Sekunden den Atem anhalten.
- 8 Sekunden langsam durch den Mund ausatmen.
Diese Methode ersetzt nicht den Notruf, kann aber helfen, den Körper bis zum Eintreffen medizinischer Hilfe zu beruhigen.
Fazit
Das Broken-Heart-Syndrom ist weit mehr als nur eine Redewendung. Intensive emotionale oder körperliche Belastungen können den Herzmuskel ernsthaft beeinträchtigen und Beschwerden verursachen, die einem Herzinfarkt täuschend ähnlich sind. Wer plötzlich Brustschmerzen, Atemnot oder starke Angst verspürt, sollte keine Zeit verlieren und sofort den Rettungsdienst alarmieren. Gleichzeitig zeigt die Erkrankung, wie eng Herz und Psyche miteinander verbunden sind. Ein gesunder Lebensstil, ausreichend Schlaf, Stressmanagement und frühzeitige medizinische Abklärung können einen wichtigen Beitrag zur Herzgesundheit leisten.